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Die Frauen der Wittelsbacher

Die Geschichte der Wittelsbacher beginnt um das Jahr 1000. Rasch gewann die Dynastie an Bedeutung und Einfluss. Schon bald waren sie Herzöge, später Kurfürsten und sogar Könige. Dreimal stellten sie sogar den römisch-deutschen Kaiser. Obendrein waren sie in ganz Europa in den herrschenden Häusern präsent. Ganz früh schon trugen sie die ungarische Königskrone, wenn auch nicht für lange Zeit. Sie waren nicht nur in den bayrischen Urlanden vertreten, sie waren in Brandenburg, in Holland und Tirol, in Köln, in Norwegen, Schweden und Dänemark an höchsten Positionen und Otto I. wurde sogar König von Griechenland. Das verdankt das, zuerst als Grafen von Scheyern chronistisch vermerkte, Adelsgeschlecht, nicht zuletzt auch seinen Frauen, die den Bestand ihrer Dynastie sicherten, indem sie ihnen viele Kinder schenkten und selbst auch Ländereien, durch das Aussterben ihrer eigenen Linie, mitbrachten.

Diese Frauen möchte ich in meinem Buch nun näher betrachten, nicht nur nach ihrem politisch-geschichtlichen Nutzen oder Bedeutung, sondern auch danach, wie sie sich vielleicht fühlten, an der Seite eines Landesherrn, den sie geheiratet hatten, ohne ihn sich selbst aussuchen zu dürfen. Auch Töchter, die in das Geschlecht der Wittelsbacher hineingeboren wurden, hatten dynastischen Überlegungen zu dienen und wurden an Adlige verheiratet, die von Bedeutung für das eigenen Haus sein konnten, oder wurden ins Kloster geschickt, um als Äbtissinnen selbst über kleine Gebiete zu herrschen. Einige dieser Frauen wurden glücklich, andere waren todunglücklich. Auch das Bild der Frau hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert, dies sollen die folgenden Seiten verdeutlichen. Durch die vielen Kinder, die sie in den ersten Jahrhunderten ihren Männern schenkten, ist durch mehrere Seitenlinien das Geschlecht der Wittelsbacher bis heute nie ganz ausgestorben. Nicht nur für die Habsburger, mit denen sie auch des öfteren Ehen schlossen, gilt: „Andere führen Kriege, aber du glückliches Österreich, heirate.” Dieser Spruch passt auch auf die Wittelsbacher, wenn auch nicht zu hundert Prozent, denn wir wissen, das Kriege trotz allem geführt wurden, um territoriale Begehrlichkeiten durchzusetzen. Im Notfall konnte man ja eine Prinzessin aus dem eigenem Haus mit dem Feind verheiraten und war nun gut Freund.

Burg Trausnitz - Stammsitz der Wittelsbacher

Die Anfänge

Wir wollen uns nicht so sehr bei der Herkunft der Wittelsbacher aufhalten, dafür gibt es genügend historisch ausgerichtete Niederschriften und deshalb setze ich auch nicht um das Jahr 1000 an, sondern um 1180.
Graf Otto VIII. von Scheyern erhält im Jahre 1180 aus der Hand Kaiser Friedrichs I. (Barbarossa) das Herzogtum Bayern, zum Dank für seine geleisteten Dienste beim Italienfeldzug (zu sehen auf den Wandgobelins der Burg Trausnitz in Landshut). Heinrich der Löwe wurde geschlagen und als Kaiser abgesetzt. Der Graf aus Scheyern darf sich fortan Herzog nennen und geht als Herzog Otto I. von Wittelsbach in die Geschichte ein. Er beginnt mit dem Bau des ersten Stammsitzes der Wittelsbacher, der Burg Trausnitz in Landshut (Landeshuata = Schutz des Landes). Die vielen wilden Isararme, boten Wegelagerern Unterschlupf. Handelstreibende in Richtung Norden (Salzstraße) waren nun sicherer, mussten dafür aber natürlich Zölle entrichten. Der Sohn Ottos I., Ludwig der Kelheimer, sollte den ersten Burgbau beenden. Damit kommt auch die erste Frau der Wittelsbacher ins Spiel, Ludmilla von Böhmen (= Ludmilla von Bogen; in erster Ehe verheiratet mit dem Grafen Albert III. von Bogen).

Ludmilla von Böhmen

Nachdem der Graf Albert von Bogen im Jahr 1197 gestorben war, hinterließ er nicht nur seine nicht allzu sehr um ihn trauernde Witwe, denn der Graf soll ein echter Haudegen gewesen sein, sondern auch drei männliche Erben, die damals noch minderjährig waren. Ludmilla und die Grafschaft Bogen waren nun fast schutzlos. Im Mittelalter nicht ungefährlich, denn Raubritter konnten sich des Gebietes bemächtigen. Also musste sich Ludmilla schnellstens einen neuen Gatten suchen. Sie selbst war von Geburt eine böhmische Prinzessin. Aber es zeichnete sich bald ein ernstzunehmender Bewerber ab, nämlich Herzog Ludwig I. Er war einer der Feinde des Grafen von Bogen gewesen. Da Ludmilla in ihrer ersten Ehe mit Graf Albert von Bogen nicht sehr glücklich war, kann man es als späte Rache verstehen, dass sie sich auf Ludwig einließ, nicht ohne ihm vorher ein Eheversprechen zu entlocken, das im Jahre 1204 eingelöst wurde. Berichte dazu sagen, dass die Gräfin in ihrem Schlafgemach einen Vorhang mit drei Rittern bemalen ließ, hinter dem sie tatsächlich drei Ritter versteckte. Bevor sie ich Herzog Ludwig hingab, entlockte sie ihm das Heiratsversprechen, das am nächsten Morgen von den drei Rittern bestätigt wurde. Für die drei minderjährigen Knaben des Grafen, so sagt man, sei der Herzog ein guter Vater gewesen. Ludwig zeugte mit Ludmilla aber auch selbst noch einen Sohn, den Erben des Hauses, Otto II. (1206-1253), der nach der Ermordung seines Vaters Ludwig auf der Donaubrücke in Kelheim (1231) nun Chef der Dynastie wurde. Durch den Tod seines Halbbruders Adalbert (1242) starb die Linie der Grafen von Bogen aus und das Erbe seines Halbbruders ging an Otto über. So hatte Ludwig mit Ludmilla eine schlaue Heiratspolitik betrieben. Ludmilla brachte somit nicht nur Ländereien mit in die Ehe, sondern auch durch das Bündnis mit dem böhmischen Könighaus, dem sie entstammte, eine gewisse Sicherheit gegen die vom Süden her vordringenden Babenberger. Und noch etwas hat uns die Herzogin hinterlassen; die weißblaue Rautenfahne der Grafen von Bogen, ziert noch heute das Wappen des Freistaats Bayern. Ludmilla aber hat ihren zweiten Mann von Herzen geliebt und als er ermordet wurde, überließ sie alles ihrem Sohn und gründete die Zister-zienserinnenabtei Seligenthal (damals außerhalb von Landshut). Dorthin zog sie sich in ihrem Schmerz zurück und wurde dort, als sie 1240 starb, auch begraben und gründete somit die erste Grablege der Wittelsbacher. Ein holzgeschnitztes Chorfries in der Afrakapelle des Klosters erinnert noch heute an diese zu Lebzeiten glückliche Ehe des Herzogspaar. Auch in der „neuen” Seligenthaler Kloster-kirche (1732-34 erbaut) hängt ein großes Ölgemälde, das die Klostergründerin Ludmilla als Stifterin der Abtei zeigt.

Therese von Sachsen-Hildburghausen

Wenn eine der bayrischen Königinnen den Titel zu Recht trägt, dann ist es die Gemahlin Ludwig I., Therese von Sachsen-Hildburghausen. Die nicht nur schöne, intelligente und politisch interessierte Königin ist ihrem exzentrischen Mann total ergeben und macht selbst dann gute Miene zum bösen Spiel, wenn er wieder mal seine Finger nicht von den schönen Frauen lassen kann. Und dafür liebt Ludwig I. seine Frau auf seine Art. Immer wieder kehrt er zu ihr zurück und sucht ihren Rat. Auch das Volk hegt große Sympathie für diese Königin, die immer ihre Haltung wahrt. Selbst als Ludwig I. nach der Affäre mit Lola Montez abdankt, bleibt sie an seiner Seite. Therese hat es an der Seite ihres Mannes nie leicht gehabt, litt sie doch sehr unter dem Geiz ihres Gatten. Während er für seine Mätressen “das Geld nahezu zum Fenster hinaus warf”, musste die Königin um jeden Gulden betteln. Kein Kleidungsstück konnte sie kaufen, keine Reise unternehmen, ohne vom König die ausdrückliche Erlaubnis dafür zu erwirken. Trotz allem liebten sich die beiden auf eine ganz be-sondere Weise. Die Königin war klug und hatte in ihrem Elternhaus eine vorzügliche Bildung genossen. Der König schätzte auch ihren politischen Rat. Ludwig I. ließ seiner Frau zu Ehren von Ferdinand von Miller die Bavaria gießen, die ein Ebenbild von Therese sein soll und die heute noch die Theresienwiese ziert, auf der alljährlich das Oktoberfest stattfindet. Auch das Oktoberfest geht auf die Eheschließung von Ludwig und Therese zurück und wird seit deren Hochzeit, im Jahre 1810, jedes Jahr begangen. Die protestantische Therese bleibt, wie ihre verstorbene Schwiegermutter Karoline (sie erinnern sich an den Eklat bei ihrer Beerdigung!), zeitlebens evangelisch.


Bavaria auf der Theresienwiese


Sie stirbt im Jahre 1854 nur einen Tag nachdem sie an einem Gottesdienst zur überstandenen Choleraepidemie teilgenommen hat, an eben dieser Krankheit. In ihrem Testament bedenkt Therese ihren Mann mit liebevollen Worten. Hätten Sie, geneigte Leserin, diesem Mann bis zum Ende die Treue gehalten? Spontan sagen Sie “Nein”. Aber damals wären auch sie an der Seite des Königs geblieben. Die Zeiten waren andere und an den verarmten Fürstenhof ihres Vaters hätte Therese nicht zurückgekonnt. Sie war zwar klug und gebildet, hatte aber keinen Beruf erlernt. Nach einer Scheidung, die damals nicht die Regel war, wie auch damals Frauen aus gutem Hause nicht arbeiteten, wäre Therese verarmt auf der Straße gestanden. Wer hätte damals eine “gelernte Königin” eingestellt, die noch kaum eine Küche von innen gesehen hatte und auch das Putzen dem Personal überließ. So blieb ihr nichts als Haltung zu bewahren und irgendwie haben sich die beiden ja auch geliebt, auf eine für uns heute schlecht nachzuvollziehende Art und Weise. Auch die Sympathien des Volkes hatte Therese bis zum Schluss.